Freitag, Mai 13, 2005

Fernweh

Heute - oder war es gestern - eine E-Mail bekommen. Nun ist es ja für die meisten Menschen alltäglich, daß sie Post in ihrem virtuellen Briefkasten haben. Nur ein paar Zeilen, die da auf meinem Monitor standen. Und es war klar, es wird für eine wahrscheinlich lange Zeit die letzte Mail gewesen sein. Macht mich einerseits ein wenig traurig, doch auf der anderen Seite freut es mich. Wieder jemand, der seinen Traum wahr zu machen scheint.

Manchmal hat das Leben die lustige Angewohnheit, uns genau die Menschen über den Weg zu schicken, die wir in genau diesem Augenblick auch brauchen. Die uns an etwas erinnern, was wir vergessen glaubten. Die uns Hoffnung schenken, daß das Leben doch nicht nur grau ist. Die an uns glauben, wenn wir nicht mehr an uns selber glauben. Die uns Dinge sagen, die wir schon lange dachten und nie auszusprechen wagten, da aussprechen ihnen Realität verleihen würde - und nicht immer möchten wir alles zu Realität werden lassen. Die einfach durch sämtliche Masken und Illusionen schauen und uns mit uns selbst konfrontieren ohne das Gesehene zu bewerten. Die einem manchmal genau die Ohrfeige versetzen, die wir uns selber nicht geben können. Die keine Angst davor haben uns die Wahrheit zu sagen. Die uns manchmal einfach unsere Flügel wieder geben und sagen "Flieg, mehr als stürzen kannst Du nicht".

Da saß ich nun, die paar Zeilen auf meinem Bildschirm betrachtend und in mir regte sich ein uralter Traum, den ich bereits vor meinem Abitur hatte. Mein letztes Refugium, wenn die Welt um mich herum unerträglich wurde. Ich wollte reisen, einfach nur reisen. Ich habe mich selber gesehen, Geschirr spülend oder Toiletten putzend in kleinen Hotels, gerade so lange bleibend um das nötige Geld für die Weiterreise aufzutreiben. Alles, was ich brauche, in meinem Rücksack auf dem Rücken. Mal am Strand, mal auf einer Parkbank und ab und an auch mal in einem billigen Hotel schlafend. Per Anhalter oder Zug reisend, mal laufend.

Nach dem Abitur wollte ich starten. Doch dann bekam ich einen Platz am Wirtschaftskolleg. Danach, dachte ich mir. Danach startest Du und eroberst die Welt, löst Dich von den Erwartungen Deiner Familie und lebst Dein Leben. Doch als ich meine Ausbildung abgeschlossen hatte, gab es den Herzallerliebsten. Und ich blieb wieder, quälte mich durch verschiedene Jobs als Sekretärin und hatte Sehnsucht nach fremden Plätzen und noch nicht getroffenen Menschen im Herzen. Bis die Quälerei mit einem Job, für den ich nicht geschaffen bin, ein Ende hatte und der Entschluß kam, Street Workerin zu werden. Das ziehst Du jetzt durch, das bringst Du zu einem glücklichen Ende - schließlich kannst Du nicht immer das schwarze Schaf der Familie bleiben, sondern solltest es zu etwas bringen. Wieder verschwand der Traum aus meinem Leben und eine Höhe folgte der nächsten Tiefe auf dem steinigen Weg.

Dann kommt diese Mail und ich hab wieder die gleiche Sehnsucht im Herzen die mich auch die Zeit bis zum Abitur hat durchhalten lassen. Wo auch immer es Dich hintreibt, ich wünsche Dir Wind unter Deinen Flügeln während Du den Traum lebst, den ich schon fast vergessen habe. Schick mir eine Prise vom Geruch des Meeres wenn Du angekommen bist. Ich werde hier sitzen, Berichte von Weltenbummlern und Abenteurern durchlesen und mir den Mut wünschen, einfach von der Klippe springen zu können. Die Flügel ausbreiten zu können, darauf vertrauend, daß sie mich sicher durch das Abenteuer Leben tragen werden. Ich sehne den Tag herbei, an dem das Fernweh so stark wird, daß es sämtliche Bedenken, wenns und abers einfach über Bord fegt und mich von hier fortspült, in mein eigenes Abenteuer.

3 Wolfsspur(en):

Blogger abraxa meint dazu ...

kann es sein, dass du ich in ein paar Jahren bist?

fühle mich gerade so. vielelciht sollten wir uns doch irgendwann mal treffen :-)

8:37 vorm.  
Blogger robby_black meint dazu ...

Es ist vielleicht nie zu spät, um ein Abenteuer zu wagen, auch wenn einem scheinbar die Zeit davonzulaufen droht.
Wünsche Dir, daß Du Deinen Traum erfüllst.

10:32 vorm.  
Blogger Mirtana meint dazu ...

@ Abraxa: Sicher, ich komme bei Dir vorbei bevor ich Deutschland verlasse, packe Dich in meinen Rucksack und auf geht's ;) Irland/Schottland zuerst *lächel*

@ robby: Zu spät ist es nie, doch je länger man wartet, desto schwerer wird der Aufbruch. Schließlich bin ich auch nicht mehr so wie ich damals mit achtzehn war :/

7:19 nachm.  

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